Lasst uns unsere Bücher!

Dieser Kommentar wurde in der «Pflichtlektion,» dem Mitgliedermagazin der Sektion Zürich Lehrberufe des VPOD abgedruckt. →Link.

Unsere Sitzungen dauern Stunden, und das mit gutem Grund. Die Diversität der Perspektiven unserer Mitglieder ist uns wichtig. Wir fällen unsere Entscheide darum im Konsens – und diskutieren die schwierigen Fragen aus, bis unsere Ideen aller Kritik standhalten. Partizipation und Diskussion sind unsere Grundsätze. Wir, die AG Bibliotheken, sind ein Kollektiv von Studierenden, die die vielfältigen Bedürfnisse und Interessen der Fächer der PhF und ThF im Projekt «Bibliothek der Zukunft» vertreten wollen. Unsere Umfrage, die im Frühjahr 2018 die Stimmen von 3608 Studierenden der Universität Zürich einholen konnte, stellt klar: Die geplante Digitalisierung kommt gut an, dass im Projekt zahlreiche Bibliotheken fusioniert und Bücher ausgelagert werden sollen, ist äusserst unbeliebt. Das grosse Thema nun: Wie stellen wir sicher, dass wir gehört werden?

Studierende sind Wissenschaffende und tragen zu Forschung und Lehre bei. Dazu brauchen wir Bücher und das Stöbern am Regal. Jetzt wird hinter verschlossenen Türen das Lehren und Lernen an der Universität umgekrempelt. Durch die physische Zentralisierung unter ein fachfremdes Gremium werden unsere Arbeitsprozesse durchbrochen. Für die fachliche Diversität unserer Fakultäten ist das Projekt kein Fortschritt, sie ist eine Bedrohung. Schablonisiert wird im Projekt nicht nur unsere Forschung, sondern auch unsere Kreativität: Für Grundsatzkritik oder Zukunftsvisionen ist im nun laufenden Vernehmlassungsprozess kein Platz. Das Projekt ist bereits ein Faktum – warum wir überhaupt mitreden wollen, ist für die Projektleitung noch immer unverständlich.

Bisher haben wir erreicht, dass Vertreter*innen aller Stände in den Ausschuss des Projekts gewählt werden. Die Universität lebt von den jungen und alten Geistern, die ihr Wissen gemeinsam kultivieren und neues schaffen, nicht von top-down-Diktaten einer zentralisierungswütigen Führungsebene. Die Studierenden bleiben nicht stumm. Nun liegt es an der Unileitung, unsere Stimmen ernst zu nehmen.