«Bibliothek der Zukunft»: Studierende wehren sich gegen Sparwahn an der Universität Zürich
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Medienmitteilung vom 28. August 2018
«Bibliothek der Zukunft»: Studierende wehren sich gegen Sparwahn an der Universität Zürich

Die Universitätsleitung der Universität Zürich will ihr Prestigeprojekt Bibliothek der Zukunft um jeden Preis durchsetzen. Unter dem Deckmantel der Digitalisierung und Weiterentwicklung führt sie vor allem eines im Schilde: Das Bibliothekswesen soll wirtschaftlicher werden. Forschung wird zur Massenware; die nachhaltige, kreative Auseinandersetzung mit Wissen wird wegrationalisiert. Obwohl das Projekt seit spätestens März 2017 in Planung ist, erhielten die Studierenden - das heisst, Hauptnutzer*innen der Bibliotheken - erst eineinhalb Jahre später die Möglichkeit, sich einzubringen. Salopp gesagt: Die Meinungen von internationalen "Expert*innen" wurden gehört, diejenigen, die's betrifft, lässt man im Dunkeln. Die spärlichen Informationen, die bisher als definitiv bestätigt wurden, gehen zudem in eine Richtung, die den Bedürfnissen und Interessen der Studierenden zuwiderläuft.
  • Das Projekt Bibliothek der Zukunft will die kleinen, spezialisierten Bibliotheken der Institute der Universität Zürich zu wenigen Monsterbibliotheken verschmelzen. Dies bedeutet einen Verlust an Identität, einen Verlust an funktionierenden Infrastrukturen und wertvollen fachspezifischen Abläufen. Myrta, eine Studentin der Islamwissenschaft, erläutert: “Bei meinen Arbeiten vertraue ich auf die Expertise unseres Fachbibliothekars, der sich mit den relevanten Beständen gut auskennt. In einer Megabibliothek geht das verloren. Wie soll mir nämlich eine Fachbibliothekarin der Germanistik Auskunft über arabische Manuskripte geben?”
  • Im Zuge der Reform sollen zahlreiche seltene Werke ausgelagert werden, in den Regalen sollen nur noch oft ausgeliehene Werke stehen. Wichtige Prozesse der Wissensschaffung werden dadurch durchbrochen und verunmöglicht. Denn das Stöbern und Blättern ist ein wesentlicher Bestandteil des Lernens und Forschens.
  • Die Projektleitung streicht hervor, dass das Projekt zusätzliche Lernplätze schaffen wird. Das entspricht grundsätzlich den Bedürfnissen der Studierenden. Wir befürchten aber, dass wir in der neuen Megabibliothek ein Arbeiten und vor allem Schreiben wie in ZB-Verhältnissen erleben müssen. Das heisst: die ruhigen Lernplätze in der Institutsbibliothek werden ersetzt durch unangenehme Atmosphäre, im Hintergrund immer Ablenkung, Stress durch unzählige Menschen auf engem Raum.
Dass die Studierenden und die Öffentlichkeit aussen vor gelassen werden, ist kein Versehen. Denn wer nicht kommuniziert, der muss sich auch keine Kritik anhören. Wir fordern deshalb: Die Bedürfnisse der Studierenden sollen aktiv eingeholt werden. Wer weiss über die spezifischen Abläufe der Fächer besser Bescheid als die Institute und ihre Studierenden? Die AG Bibliotheken macht’s vor: Unsere Umfrage zur Bibliotheksreform gibt den Meinungen der Studierenden Platz. 86% der Befragten halten eine zentralisierte Bibliothek für eine Verschlechterung. Die sofortige Verfügbarkeit von Büchern ohne mühsames Vorbestellen ist gar für 97% der Studis wichtig. Und bloss 6% halten den bisherigen Miteinbezug der Studierenden in das Projekt für angemessen. Darum: Die Universitätsleitung muss für ein Projekt dieser Ausmasse vor der Öffentlichkeit und den Studierenden Rechenschaft ablegen!